Von wegen weltweit Wald und so… #fb

In einer neuen Studie, die jetzt in Nature Climate Change veröffentlich wurde, wird anschaulich die Wirkungen verschiedener Walddefinitionen verglichen: Wenn man verschiedene Walddefinitionen (bezüglich Mindestfläche, Breite, Bestockungs- und/oder Überschirmungsgrad) auf die gleichen Fernerkundungsdaten anwendet kommen doch verschiedene Waldflächen, aber vor allem auch verschiedene Attribute für Entwaldungsflächen und -aktivitäten heraus. Und das ist in der Diskussion um Treibhausgase aus Entwaldung im internationalen Umfeld (gerade in den Tropen) ein gewichtiger Punkt.

Abbildung a zeigt die Waldverteilung bei angenommenen 10% Überschirmung. Das heißt eine Flächeneinheit (angenommen 1000 qm) wird zu 10 % (100 qm) von einer oder mehreren Kronen überschirmt.

forest_cover-10percent
(Quelle: Sexton, et al.)

Abbildung b wiederum zeigt die Waldverteilung bei angenommenen 30% Überschirmung. Das heißt eine Flächeneinheit (angenommen 1000 qm) wird von 30 % (300 qm) von einer oder mehreren Kronen überschirmt.

forest_cover-30percent
(Quelle: Sexton, et al.)

Also im Klartext: Die Waldfläche wird kleiner, wenn man von 30 % Mindestüberschirmung ausgeht, weil alle Bestände, die weniger als 30% überschirmt sind, fallen raus.

Um den Unterschied noch mal deutlich zu machen: Abbildung c, in der auch wieder um 10 % Überschirmung (a) und 30 % Überschirmung (b) dargestellt sind.

comp_cover_10-30percent
(Quelle: Eigene Darstellung)

Und auch das ist ja noch nicht einfach zu fassen: Ganz plaktiv, wenn ihr das nächste mal im Wald seid (z.B. deutscher Buchenwald mit geschlossener Kronendecke), denkt euch von 10 Bäumen der gleichen Schicht mal 9 bzw. 7 weg. Ist das dann noch Wald?

Eine Empfehlung der Autoren um Joseph Sexton (University of Maryland) ist nun eine Weltweit einheitliche Walddefinition, die überall gültig ist. ODER – und das ist neu –

[…] preferably, a shift away from “forest/non-forest” maps to new maps of measureable ecological characteristics like tree cover, canopy height and biomass.

Und das wiederum ist nur zu empfehlen. Es wurden in den letzten Jahren die technischen Möglichkeiten geschaffen, Eigenschaften von Wald und anderer Ökosysteme in ausreichender Genauigkeit zu messen (vgl. div. Remote Sensing Article unter dem Stichwort Landsat, Forest, Ecosystem und NASAs programmatischen Ansatz dazu). Also sollten wir von einem Runterbrechen der einzelnen Eigenschaften auf vorgefertigte Klassen wegkommen und anwendungsbasierte Datenhaltung forcieren, die die Eigenschaften von Messungen vorhält und eine Auswertung nach eigenen Kriterien ermöglicht.

Die FAO versucht übrigens genau das mit ihrem Land Cover Classification System (ver 3.0) umzusetzen. Man darf auf Anwendungen und Auswertungen in der Praxis gespannt sein.

Wen das mit der Überschirmung und der Problematik die dahinter steckt interessiert, dem sei der oben verlinkte Artikel im AWF-Wiki meiner Alma Mater.

Auch im Bezug auf Paris und ein anstehendes Weltklimaabkommen, was das Kyoto Protokoll beerben kann und soll, sind solche grundlegenden Fragen zur Anrechenbarkeit von Senken und Quellen von Treibhausgasen entscheidende.

Aufmerksamgeworden auf die Studio bin ich über die NASA Webseite.

LG FOE

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